Räuberbraut "Julche"

Die Geliebte des Hunsrück-Räuber's Schinderhannes...



Juliana Blasius
"Julche"



Johannes Bückler
"Schinderhannes"


Steckbrief
"Julie Bläsius"
 

Steckbrief:

Name:   Juliana „Julche“ Blasius
     
Alter:   Sie wurde 69 Jahre alt
     
Geboren:   * 22. August 1781 in Weierbach
(Julchen wäre heute
     
Vater:   Johann Nikolaus Blasius
     
Geschwister:   Schwester Margarethe Blasius
     
Berufe:  

- 1800: Musikantin auf Märkten
1800 - 1802: Räuberbraut
1802 - 1804: Haftstrafe in Gent (Belgien)
1804 - 1805: Dienstmädchen in Mainz
ab 1805: Hausfrau

     
Partner:   1800 - 1803 Geliebte des Johannes Bückler (unverh.)
1805 - 1813 verh. mit Gendarm Uebel (gefallen)
1814 - 18XX verh. mit Johann Blasius (Vetter)
     
Kinder:   Kinder mit Johannes Bückler:
1. Tochter bei Geburt 1801 verstorben
1. Sohn Franz Wilhelm (*1802)
Kinder mit Johann Blasius:
7 Kinder, von denen jedoch nur zwei das Erwachsenenalter erreichten
     
Gestorben:   † 3. Juli 1851 in Weierbach an der Wassersucht
(Ihr Todestag jährt sich zum



Ausführlicher Lebenslauf:

Juliana „Julche“ Blasius
(während der frz. Besatzung auch "Julie Bläsius") wurde am 22. August 1781 in Weierbach geboren. Sie war die neunte, bedeutendste - und letzte - "Braut" des als Schinderhannes bekannt gewordenen Räubers Johannes Bückler, mit dem sie drei Jahre zusammen lebte und wirkte und mit dem sie ein Kind zeugte. Zwischen 1800 und 1802 beteiligte sich „Julche“ mehrfach, teilweise in Männerkleidung, an mehreren Überfällen in der Region an der Seite des Schinderhannes.

Eben dieser "Schinderhannes" saß 1799 anlässlich des Kirner Andreasmarkt in den Räumlichkeiten des heutigen historischen Fachwerkhaus am Marktplatz und trank sein Kirner Bier. Ein Jahr später lernte er das Julchen auf dem Wickenhof bei Kirn kennen.


Auf dem Höhepunkt seiner Macht um 1800 hielt sich Bückler mit Blasius und seiner Bande auf der halb verfallenen Schmidtburg im Hahnenbachtal oberhalb von Kirn auf. Die Burg war seit der französischen Annexion 1795 von ihren Besitzern verlassen worden.

Schinderhannes und sein Julche feierten mehrfach ausgelassen Räuberfeste, zu denen ganze Ortschaften kostenfrei bewirtet wurden. Beim berühmtesten Fest, dem Räuberball zu Griebelschied, sollen sogar die örtlich zuständigen Gendarmen im Gasthof mit eingeladen und zugegen gewesen sein.

1802 - Nach der Inhaftierung der Bande gebar Julchen am 1. Oktober 1802 im Mainzer Holzturm einen Sohn, der Franz Wilhelm getauft und später vom Mainzer Zollwächter Johannes Weiß adoptiert werden sollte. Über das spätere Schicksal des Sohnes ist nichts bekannt, außer dass er Unteroffizier in der österreichischen Armee wurde.

1803 wurde die Bande des Schinderhannes in Mainz durch die Guillotine hingerichtet. Das "Julche" wurde lediglich zu zwei Jahre Gefängnis verurteilt, da Johannes Bückler bis zuletzt vor Gericht beteuerte, sie verführt und gefügig gemacht zu haben, was ihr wohl das Leben rettete.

In späteren Jahren wurde Juliana Blasius zuweilen von in Weierbach durchreisenden Fremden neugierig bestaunt. Sie soll dann noch gern „bei einem Schnaps“ von ihrer Zeit als "Räuberbraut" erzählt haben, die sie selbst für die schönste Zeit ihres Lebens hielt.

Als 1844 ein Staatsanwalt aus Saarbrücken jene sich als „Frau des Schinderhannes“ brüstende Alte visitierte, fand er sie „reinlich gekleidet“ und „noch gut konserviert“ vor.

Juliana Blasius überlebte den Schinderhannes um 47 Jahre und verstarb am 3. Juli 1851 im Alter von 69 Jahren in ihrem Heimatort an den Folgen der Wassersucht.



von Jörg Römer aus Kirn (2017)

www.roemerwelt.de